Angehörige: Menschen mit AMD unterstützen
Wenn ein Mensch in Ihrer Familie oder in Ihrem Freundeskreis an einer trockenen AMD erkrankt ist, möchten Sie helfen. Gut gemeinte Hilfe kann aber auch bevormunden. Diese Seite zeigt, wie Sie unterstützen und dabei die Selbstständigkeit Ihres Gegenübers achten, ohne sich selbst zu vergessen.
- Fragen Sie, bevor Sie helfen, und lassen Sie so viel Selbstständigkeit wie möglich.
- Klare Sprache und gute Beleuchtung erleichtern den gemeinsamen Alltag.
- Praktische Hilfe bei Terminen und Papierkram entlastet spürbar.
- Achten Sie auch auf Ihre eigenen Kräfte und holen Sie sich Unterstützung.
Helfen ohne zu bevormunden
Der wichtigste Grundsatz lautet, so viel Selbstständigkeit wie möglich zu erhalten. Eine AMD nimmt das scharfe Sehen in der Mitte, sie macht aber nicht hilflos. Vieles gelingt weiterhin allein, manches mit einem Hilfsmittel und nur einzelnes mit Ihrer Hilfe. Fragen Sie deshalb, bevor Sie eingreifen, und bieten Sie Ihre Unterstützung an, statt sie zu übernehmen. Das klingt einfach, verlangt im Alltag aber Feingefühl, weil der Impuls zu helfen oft schneller ist als die Frage danach.
Kommunikation und Alltag
Kleine Gewohnheiten machen den Umgang leichter. Sie geben Sicherheit und ersparen unnötige Missverständnisse.
- Nennen Sie sich beim Betreten des Raumes und sagen Sie, wenn Sie gehen.
- Beschreiben Sie die Umgebung in Worten, statt nur zu zeigen.
- Sorgen Sie für gutes, blendfreies Licht und für klare Kontraste im Haushalt.
- Lassen Sie Dinge an ihrem gewohnten Platz, damit sie leicht zu finden sind.
Praktische Hilfe
An manchen Stellen ist konkrete Unterstützung besonders wertvoll. Dazu gehört die Begleitung zu augenärztlichen Terminen, bei denen vier Ohren mehr hören als zwei. Beim Lesen von Post und Beipackzetteln hilft es, vorzulesen oder gemeinsam eine Vorlesefunktion einzurichten. Und wer die Wohnung mit etwas Licht und Kontrast anpasst, nimmt viele Stolperfallen aus dem Alltag. Welche Geräte dabei helfen, lesen Sie unter Hilfsmittel und Alltag.
Auf sich selbst achten
Wer unterstützt, gibt viel und vergisst dabei leicht die eigenen Kräfte. Erschöpfung, Gereiztheit oder das ständige Zurückstellen eigener Bedürfnisse sind Warnzeichen. Nehmen Sie diese ernst. Sie helfen Ihrem Angehörigen am nachhaltigsten, wenn es auch Ihnen gut geht. Scheuen Sie sich nicht, Aufgaben zu teilen und Unterstützung anzunehmen.
Wo Sie Rat und Kontakt finden
Sie müssen den Weg nicht allein gehen. Unabhängige Anlaufstellen beraten Betroffene und Angehörige gleichermaßen und vermitteln Kontakt zu anderen, die Ähnliches erleben.
- PRO RETINA Deutschland e. V.: Patiententelefon und Regionalgruppen. pro-retina.de
- Blickpunkt Auge (DBSV): Beratung rund um Sehverlust, wohnortnah. blickpunkt-auge.de
Eine Übersicht weiterer Stellen finden Sie unter Selbsthilfe und Anlaufstellen.
Quellen
- PRO RETINA Deutschland e. V. pro-retina.de
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). dbsv.org
- Bundesministerium für Gesundheit. gesund.bund.de
Diese Seite dient der neutralen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychosoziale Beratung. Bei Belastung dürfen sich auch Angehörige jederzeit Unterstützung holen.
Häufige Fragen
Wie helfe ich, ohne zu bevormunden?
Fragen Sie, bevor Sie helfen, und bieten Sie Unterstützung an, statt sie aufzudrängen. Menschen mit AMD können vieles weiterhin selbst, sie brauchen nur an manchen Stellen Hilfe. Diese Balance zu wahren stärkt die Selbstständigkeit und das Vertrauen.
Wie beschreibe ich Dinge, die mein Angehöriger nicht sieht?
Sprechen Sie in klaren Worten und geben Sie Orientierung. Sagen Sie zum Beispiel, dass die Tasse rechts neben dem Teller steht, statt nur dorthin zu zeigen. Nennen Sie sich beim Betreten des Raumes, damit Ihr Angehöriger weiß, wer da ist.
Woran erkenne ich, dass ich selbst Unterstützung brauche?
Wenn Sie sich dauerhaft erschöpft fühlen, eigene Bedürfnisse zurückstellen oder gereizt reagieren, ist das ein Zeichen. Angehörige dürfen und sollen sich Hilfe holen. Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen sind auch für Sie da.